TVlab
Three different posters (100x75cm), structured like commercials, pretend to promote innovative TV screens. While the graphical concept adapts characteristics from TV (like the black bar and the font), the products are more abstract to this media. The designs of the three different sets reflect the background of the on TV displayed informations and topics. The normal function "watching" is reduced to a colourful by-product.






Tv-nation ist eine Metapher auf das Wort „divination“ (engl.: Weissagung, Prophezeiung; lt. Pons), und beschreibt den zentralen Aspekt in dieser Konzeption. Fernsehen ist ein optimales Propagandamedium; es reicht bis in unsere Privatsphäre und hat über Bilder einen sehr guten Zugang zu unserem Bewußtsein. Im Gegensatz zum Geschriebenem, bei dem ein Journalist seine Eindrücke in Worte umsetzt, ist beim Fernsehbild die-se subjektive Modifikation nicht so offen-sichtlich. (Der Betrachter hat das Gefühl durch einen Kasten direkt in eine sich ereignende Szene einblicken zu können.) Das erzeugt einen relativen Mangel an Skepsis, der noch zusätzlich durch das meditative Starren („Hypnoseeffekt“, lt. V. Flusser) unterstützt wird. Der Fernseher als Wahrsagekugel symbolisiert ein mystisches Haushaltsorakel, das befragt wird, wenn man Informationen aus der Ferne beschwören möchte. (Außerdem bezieht sich der Titel auf eine nationale Interpretation von Fernsehen. In Nachrichten-Programmen wurden dieselben Bilder von den verschiedenen nationalen Fernsehsendern in einen anderen Kontext gestellt, um das eigene Handeln zu legitimieren und so ein einheitliches Nationalgefühl zu propagieren.) Der Hintergrund des Plakats stellt diese mediale Informationskultur dar. Die moderne Wahrsagerin im Vordergrund symbolisiert die mediale Instanz, die dem Betrachter die Information aus der Wahrsage-Fernsehkugel deutet. Von der technischen, bildhaften Funktion wäre ein Kugelfernseher dem herkömmlichen Bildschirm ähnlich. Die Elektronen würden anstatt in einer „Ebene“ auf eine Kugelform projiziert werden.
Cabel-TV ist wahrscheinlich der konsequenteste Versuch Fernseher, der natürlich auch eng mit dem Medium „fernsehen“ verbunden ist, zu dekonstruiren, um dem Betrachter die Irrealität des Mediums zu verdeutlichen. Gleichzeitig ist diese Verbindung zwischen dem Irrealen und deren realen Auswirkungen (Verstrickungen) das schöne am Fernsehen, aber auch eine reale Gefahr. Die Sinnhaftigkeit eines real wahrnehmbaren Fernsehbildes wird in Frage gestellt, da die Sinnhaftigkeit sowieso erst durch den Betrachter entsteht, und es somit auf das Bild nicht ankommt! (Der Hypnoseeffekt der elektronischen Bewegung und die Farben bleiben erhalten). Dieses Plakat, bzw. Objekt, spielt auf subtile Botschaften an, die über das Medium vermittelt werden. Als Hintergrund verwendete ich eine amerikanische Serie, die moralische Werte wie wa(h)re Liebe in den Haushalt transportieren soll; im Vordergrund ist eine Puppe, ein unpersönliches Symbol für das Schönheitsideal, total verstrickt in dem Fernseher. (Beides sind zusammenhängende Werte, vor denen man sich schwer verschließen kann, so dass sich diese in den Köpfen der Betrachter festsetzen). Momentan ist so ein Schlauchfernseher technisch schwer verwirklichbar.
Bei diesem Produkt liegt der Schwerpunkt der Dekonstruktion nicht beim elektronischen Aufbau (im Gegensatz zu „cabelTV“), sondern in seinem spielhaften interaktiven Äusseren. Normalerweise kann der Zuschauer in den Bildaufbau nicht eingreifen, denn Fernsehen ist ein passives Medium, weil es außer sich darauf einzulassen, umzuschalten oder abzuschalten keine Alternativen bietet. Die Sinnhaftigkeit des herkömmlichen Fernsehbildes wird hier in Frage gestellt, denn erst der Zuschauer, der das Bild interpretiert, gibt diesem einen Sinn. (d.h.: der Sinn wird vom Bild abstrahiert und manifestiert sich in der Interaktion zwischen Fernsehbild und Betrachter). Erst in der Transformation des Bildes begreift der Akteur, dass er kontinuierlich Sinnes- und Bilderwelten selbst konstruiert. Die graphische Umsetzung soll auf die passive, nicht kommunikative Gestalt des Fernsehens hinweisen. Das Kind und der Comic im Hintergrund sollen eine spielerische Idylle hervorheben und andererseits genau diese pervertieren; das Kind befindet sich nicht in einer realen Welt mit realen Bezügen und wirkt dadurch passiv. „TV puzzles“ ist ein durchaus realisierbares Konzept um einen Bildschirm aus seinem gewohnten Rahmen zu nehmen. Das Bild kann je nach Lust und Laune des Benützers neu zusammen geschoben werden. Durch eine flächige Fragmentierung in einzelne ineinander übergreifende Elemente wird der Fernseher seinem rein funktionalen Äußeren beraubt. Die einzelnen Puzzlesteine behalten ihren ursprünglichen Bildaus-schnitt. Dabei handelt es sich um elektronisch verknüpfte Ebenen (LCD Bildschirme), die über einem Platinen-Leitsystem ihre notwendigen Informationen erhalten.
